Das Forum Erinnerungs- und Zukunftsort Heil- und Pflegeanstalt Erlangen startet

Übersicht Vorschläge Rahmenkonzept Erinnerungs- und Zukunftsort HuPfla Erlangen

Quelle: City of Erlangen

Während des Nationalsozialismus kam es auch in Erlangen zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit, insbesondere zu Medizinverbrechen. Um angemessen der Opfer zu gedenken, hat der Stadtrat der Kommune 2015 einhellig die Verwaltung beauftragt, einen Ort des Erinnerns zu schaffen. Dazu liegt mittlerweile ein Rahmenkonzept vor, bei dessen Umsetzung die Stadt die Bürger*innen direkt beteiligen will. Dazu hat sie das Forum Erinnerungs- und Zukunftsort Heil- und Pflegeanstalt Erlangen geschaffen. Auch das Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts (MPL) beteiligt sich mit den Direktoren Vahid Sandoghdar und Jochen Guck (als dessen Stellvertreter).

Diese Form der Bürgerbeteiligung ist auch eine Reaktion auf die leidenschaftlichen und konstruktiven Debatten, die es in der Vergangenheit um den Teilabriss der historischen Heil- und Pflegeanstalt Erlangen, HuPfla genannt, gegeben hat. Abschnitte der Seitenflügel weichen Neubauten etwa für das Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin sowie weiteren Gebäuden für Forschungsgruppen des Universitätsklinikums. Die Stadt, so Oberbürgermeister Florian Janik bei der Auftaktsitzung des Forums am vergangenen Mittwochabend, habe bereits bei anderen Projekten positive Erfahrungen mit derartigen Foren gesammelt. Die Mitglieder stammen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen. Es gehören aber auch zufällig ausgewählte Menschen aus der Stadt dazu.

„Wir unterstützen ausdrücklich die Schaffung eines Erinnerungsortes und engagieren uns daher gerne im Forum“, betont MPL-Direktor Sandoghdar, der auch Sprecher des Max-Planck-Zentrums ist. Er beurteilt die Diskussionskultur der vergangenen Jahre in der Stadtgesellschaft um die Zukunft der Hupfla sehr positiv, die schließlich in das im vergangenen Jahr vorgestellte Rahmenkonzept  mündeten. Dessen Verfasser, der Gedenkstättenexperte Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, und sein Mitarbeiter Julius Scharnetzky, gehen in ihren Vorschlägen weit über das HuPfla-Gebäude hinaus und beziehen fast die gesamte Innenstadt mit in ihre Überlegungen ein, um an die Opfer, aber auch an die Täter zu erinnern. Und sie blicken nicht nur zurück, sondern auch nach vorn, indem sie etwa anregen, Lern- und Bildungsangebote für Angehörige von Gesundheitsberufen genauso wie für die breite Öffentlichkeit zu entwickeln. Auch Möglichkeiten zur Forschung im Bereich Medizingeschichte oder Disability Studies sollen entstehen.

Bei der Vertiefung und Umsetzung dieses Rahmenkonzeptes soll das Forum mitwirken, ganz konkret beispielsweise beim Ausloben städtebaulicher Wettbewerbe. Es wird das nächste Mal im Juli zusammenkommen, mindestens zwei Treffen sind pro Jahr geplant.

Parallel dazu arbeitet die Stadt daran, eine Trägerschaft für den geplanten „Erinnerungs- und Zukunftsort“, wie ihn die Autoren des Rahmenkonzeptes nennen, zu schaffen, berichtete OB Janik. Er präferiert einen Zweckverband, in dem sich die Stadt, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, das Universitätsklinikum, die Bezirke Mittelfranken und Oberfranken, die Bezirkskliniken Mittelfranken sowie der Freistaat Bayern zusammenschließen. Er erwartet bis Anfang 2022 eine Einigung auf eine derartige Trägerschaft. Und er berichtete, dass das Land in Aussicht gestellt habe, das Vorhaben finanziell zu unterstützen. 

 

Weitere Informationen:

Website der Stadt Erlangen: Euthanasie-Gedenkort

 

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