Kunstprojekt: MPL kooperiert mit Nürnberger Akademie der Bildenden Künste

Die Naturwissenschaften haben Künstler*innen in der Vergangenheit immer wieder zu großen Werken inspiriert. Doch heute wird der direkte Austausch miteinander zunehmend schwieriger. In Franken ist nun der Brückenschlag zwischen Spitzenforschung und künstlerischer Avantgarde gelungen. Bei einem gemeinsamen Projekt des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts (MPL) in Erlangen und der Akademie der Bildenden Künste (AdBK) in Nürnberg sind ganz ungewöhnliche Werke entstanden: Grafiken, Collagen und gar ein Gedicht.

Aus der Aufnahme eines ultrahochauflösenden Mikroskops wird auf einmal eine Landkarte. Ein rotes Blutkörperchen mutiert zum Anti-Stress-Ball. Und eine künstliche Intelligenz zeichnet ein komplettes Bild. Das sind Beispiele für einige der Werke, die aus der Zusammenarbeit von MPL und AdBK hervorgegangen sind. Wissenschaftler*innen aus Erlangen haben ihre Forschungsvorhaben in Gebieten wie der Nanooptik oder der Biophotonik Kunststudierenden und Dozent*innen der Akademie vorgestellt. Die haben sich davon anregen lassen − und eine Reihe von Werken geschaffen, die jetzt gebündelt in einem großformatigen Kalender erschienen sind.

„Forschung ist wie die Kunst voller Kreativität, Mühe, Überraschung und Freude an der Schöpfung − beide Disziplinen können also viel voneinander lernen“, begründet Vahid Sandoghdar, einer der Direktoren des Max-Planck-Instituts, das Engagement für das außergewöhnliche Projekt. „Kunst ist niemals nur Salto im luftleeren Raum“, ergänzt Friederike Girst, Professorin für Grafik-Design / Kommunikationsdesign an der AdBK. Gemeinsam mit den Dozenten Steve Viezens und Peter Wendl hat sie die Kooperation auf Seiten der Akademie betreut. „In der kreativen Zusammenarbeit von Künstler*innen und Wissenschaftler*innen hat mich vor allem die beidseitige Neugier der Beteiligten erfreut“, so Girst weiter. Forschung und Kunst hätten einander seit Jahrtausenden bereichert, und gerade die Möglichkeiten des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts hätten eine wunderbare Plattform für eine schöpferische Auseinandersetzung geboten, die sich nicht nur im streng wissenschaftlichen Experiment erschlossen habe.

 

Versuche, das Unsichtbare sichtbar zu machen

 

Gestartet ist das Projekt im September 2020. Waren anfangs noch gegenseitige Besuche möglich, blieb bald aufgrund der Corona-Pandemie nur der Ausweg ins Virtuelle. Statt sich durch Laborführungen und Atelierbesuche auszutauschen, waren Zoom-Meetings samt Präsentationsfolien die einzigen Möglichkeiten, die Forschung am MPI vorzustellen. Genau diese Form der Kommunikation griffen wiederum einige Studierende der AdBK auf, in dem sie etwa die in den Vorträgen gezeigten Grafiken und Laboraufbauten zu einem neuen Werk kombinierten. Die Themen, mit denen es die Kunstschaffenden zu tun bekamen, waren keine einfachen. An fünf Terminen mit je drei Vorträgen ging es etwa um Echtzeit-Verformungszytometrie, iScat-Mikroskopie, maschinelles Lernen. Hannah Kleyling, eine der Student*innen, beschrieb beispielsweise später ihr Werk als „Versuch zu verstehen, wenn wir eigentlich nichts verstehen.“

Nach dieser geballten Ladung Naturwissenschaften machten sich die Studierenden während des Sommersemesters 2021 an die Arbeit. Das Trio Paul Graßler, Jorina Fricke, Raphael Tonn aus der Studiengruppe Graphikdesign übernahm das studentische Projektmanagement, bis endlich nach über einem Jahr die insgesamt 14 Motive für den Kalender Mitte November 2021 ihren Weg in die Druckerei fanden. Der auch in Sachen Nachhaltigkeit vorbildlich ist: Die Druckfarben wurden aus pflanzlichen Rohstoffen ohne Zusatz von Mineralölen hergestellt und das Papier stammt von der bayrischen Papierfabrik Gmund am Tegernsee, die sich besonders hohen Ökostandards verpflichtet hat. 

Der bis hin zum Kalendarium sehr eigenständig gestaltete Kalender im DIN-A2-Format präsentiert höchst unterschiedliche Zugänge und Interpretationen zur Grundlagenforschung: Das fast hypnotische Motiv im Januar hat ein neuronales Netz – eine simple Form künstlicher Intelligenz – gezeichnet, das MPL-Direktor Florian Marquardt eigens gemeinsam mit Kunststudent Raphael Tonn entwickelt hat. Hannah Kleyling hat Formulierungen und Aussagen aus den Vorträgen der Wissenschaftler*innen typografisch zu einer Art Gedicht arrangiert und konfrontiert so die Forschenden mit ihrer eigenen (Fach-)Sprache. Nick Pschierer schließlich hat die Powerpoint-Präsentation über eine winzige endoskopische Kamera, die Aufnahmen aus dem Körperinneren ermöglicht, per Collagetechnik neu arrangiert – und will so die Fantasien anregen sich auszumalen, welch unsichtbare Welten sich noch erobern lassen.

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