Forscher*innen erörtern Zukunft des neuromorphen Computings in Erlangen
Vom 10. bis 12. Juni 2026 kamen mehr als 70 Wissenschaftler*innen aus aller Welt am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts (MPL) in Erlangen zur zweiten Ausgabe von ›Frontiers of Neuromorphic Computing‹ zusammen. Der Workshop widmet sich dem neuromorphen Rechnen – einem Ansatz, der vom menschlichen Gehirn inspiriert ist, um Hardware zu entwickeln, die Rechenaufgaben mit hoher Geschwindigkeit, starker Parallelität und deutlich geringerem Energieaufwand als heutige KI-Systeme ausführen kann.
Rasant wachsendes Forschungsfeld Neuromorphes Rechnen
Chatbots, Bilderkennungssysteme und selbstfahrende Autos funktionieren auf Basis künstlicher Intelligenz. Das Training und der Betrieb dieser Systeme erfordern enorme Mengen am Strom und werfen zwangsläufig die Frage nach verantwortungsvollem Umgang mit Energieresourcen auf. Neuromorphes Computing ist ein Ansatz, der auf physikalischen Prozessen basiert und daher deulich energieeffizienter ist. Vom menschlichen Gehirn inspiriert entwicklen Wissenschaftler*innen und Technolog*innen eine neue Hardware, die ähnliche Aufgaben weitaus effizienter und schneller ausführen kann. So wie Neuronen des menschlichen Gehirns parallel arbeiten, laufen die Rechenschritten beim neuromorphen Rechnen parallel ab und nicht sequenziell, wie es bei bisherigen neuronalen Netzen der KI der Fall ist. Das Forschungsgebiet des neuromorphen Rechnens ist noch jung und Wissenschaftler*innen untersuchen eine Vielzahl physikalischer Systeme, die als Grundlage für diese neue Art von Hardware dienen könnten. Diese reichen von lichtbasierten (photonischen) Systemen über magnetische Materialien und Supraleiter bis hin zu weicher Materie.
Drei Tage intensiver Austausch von über 70 internationalen Expert*innen am MPL
Führende Expert*innen von Institutionen wie dem MIT, Yale, Princeton, Cambridge, der EPFL und Google DeepMind sowie Forschende aus ganz Europa kamen am MPL zusammen. An drei Tagen hörten die Teilnehmenden eingeladene Vorträge und eingereichte Beiträge, nahmen an einer lebhaften Podiumsdiskussion teil und präsentierten ihre Arbeit am ersten Abend im Rahmen einer Postersession.
Ein Höhepunkt des Workshops war die Preisverleihung für die besten Poster, die von Axiomatic AI unterstützt wurde. Drei Preise in Höhe von jeweils 200 € wurden an Briac Flesselles, Roee Ezraty und Marie Braasch als Anerkennung für herausragende Posterbeiträge verliehen. Auch der Autausch beim gemeinsamen Dinner kam bei den Teilnehmenden gut an.
Eine internationale Gemeinschaft nimmt Gestalt an
Organisiert wurde die Veranstaltung von MPL-Forschungsgruppenleiterin Dr. Clara Wanjura und dem geschäftsführenden Direktor und Leiter der Theorie-Abteilung Prof. Florian Marquardt. Der Workshop fand in Kooperation mit dem ELLIS-Programm für quanten- und physikbasiertes maschinelles Lernen statt – einer europäischen Initiative zur Förderung von Spitzenforschung an der Schnittstelle zwischen Physik und künstlicher Intelligenz. Florian Marquardt gehört zu den Gründungsdirektoren der ELLIS Unit Franken, die seit 2026 Forschungsgruppen aus MPL, FAU und weiteren fränkischen Hochschulen zusammenführt.